Wer sind wir – und warum?

Gestatten, mein Name ist Oliver Lentz. Ich wurde 1962 in München Harlaching geboren und bin in meinem Herzen immer ein Münchener Kindl geblieben.

Aufgewachsen bin ich unter Anderem in München, später in Stuttgart, wo ich für einige Zeit das Internat der Schule besuchen durfte, auf der schon meine Mutter war, die Merz Schule. Dies war nur möglich, weil der damalige Schulleiter, Helge März, uns entsprechend unterstützte. Ihm gehört auch heute noch mein großer Dank, da es die Merz Schule war, die meine Liebe für das geschriebene Wort erweckte. Textgestaltung hieß es damals, und es gab nichts Schöneres als Alltägliches durch frei gestalteten und somit künstlerischen Text zu beschreiben. Schade, dass die Schulhefte von damals nicht mehr aufzufinden sind, der eine oder andere Text wäre – zumindest meiner Erinnerung nach – wahrscheinlich eine Veröffentlichung wert.

Ich wurde in einer Welt von Künstlern und bekannten Namen groß. Meine Eltern waren beide Schriftsteller und Verleger, und in unserer zur Wohnung umgebauten ehemaligen Druckerei in der Herzogstraße 50 in Schwabing, in deren Keller bei unserem Einzug noch hunderte von wunderschönen, schwarzen Druckplatten und Tonnen an Büttenpapier lagerten, gaben sich Leute wie Barbara Noack, Ellis Kaut, Tomi Ungerer, Arik Brauer, Gerhart Herrmann Mostar, Marlene Reidel, Janosch, Lilo Fromm, Vaclac Havel – um hier nur einige zu nennen – die Klinke in die Hand.

Als Kind war ich noch genervt von all den Partys, die bei uns im 120 Quadratmeter großen Wohnzimmer stattfanden. Heute jedoch weiß ich, habe ich zumindest eines daraus gelernt, nämlich auch mit wenig das Leben zu genießen und es sich schön zu machen. Denn diese kleinen Momente sind es, die zählen. Freunde, Familie, ein Blick in glückliche Kinderaugen, eine Umarmung hier, ein herzliches Willkommen sein dort. Denn was bleibt – ist nur die Erinnerung.

Wenn mein Vater mal zu Hause war, lag er meist mit Korrekturfahnen im Bett. Wie schön war es da, sich einfach an ihn zu kuscheln und dem Rascheln des Papiers zu lauschen. Meist aber war er auf irgendwelchen Buchmessen unterwegs oder arbeitete gar in anderen fernen Ländern, so wie für den Überreuter Verlag in Österreich und den Blanvalet Verlag in der Schweiz.

1952, also 10 Jahre vor meiner Geburt, gründete er in Stuttgart den auf Bilder- und Jugendbücher spezialisierten Georg-Lentz-Verlag. Diesen leitete er bis 1964. Dann wurde der Verlag verkauft und ging, so weit ich weiß, in der Verlagsgruppe Langenmüller-Herbig auf.

Heute gibt es den Georg-Lentz-Verlag nicht mehr. Seine Überreste lagern in den Katakomben des KOSMOS Verlages in Stuttgart und warten drauf, von mir wiederentdeckt zu werden.

Bücher zu finden, die seinerzeit im Lentz Verlag erschienen sind, wird immer schwieriger. Aber die, die man findet, machen Lust auf mehr. Lust auf Abenteuer, Lust auf Wissen, Lust aufs Lesen. Und genau diese möchte ich heute wieder wecken, in dem ich den Lentz Verlag wiederbelebe. In Gedanken und im Gedenken an meinen Vater, den Pionier. Und an meine Mutter Michaela Lentz. Die beide, wie ich, daran geglaubt haben, dass man mit Büchern und Filmen – ja mit Geschichten – die Welt ein wenig besser machen kann.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Entdecken der Bücher, die mich erfreut, gefesselt oder berührt haben.

Fühlen Sie sich herzlichst auf die Reise mitgenommen

von Ihrem ergebenen

Oliver Lentz